Vera Jürgens

Ticken Schachspieler anders?

lxjuetsa.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

128 Seiten, kartoniert, illustriert

April 2008

ISBN 978-3-931192-35-8

Erhältlich beim Schachverlag Kania und Schach Niggemann 

 

Ticken Schachspieler anders?

Diese und andere Fragen stellt sich die Autorin Vera Jürgens und entlarvt in ihrem Buch so manches Vorurteil in der Öffentlichkeit über die Spezies Schachspieler als gegenstandslos und gleichzeitig zutreffend! Ein scheinbares Paradoxon das seinen Ursprung darin findet, dass Schach und seine Umgebung selbst manchmal bizarr, merkwürdig und sonderbar auf Außenstehende wirkt. Das Universum der Schachspieler ist für Nichtschachspielende Verwandte, Freunde und Kollegen wahrlich ein Buch mit sieben Siegeln!

Die Autorin Vera Jürgens ist Großmeisterin und spielt in der deutschen Damen-Nationalmannschaft, wer mehr über sie erfahren will, sollte einmal auf ihrer Homepage vorbeisurfen (http://verajuergens.sme-group.com/vera.html).

Doch zurück zu diesem Schachbuch der besonderen Art:

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät den bunten Strauß an Themen, die sich die Autorin auf der großen Schachwiese gepflückt hat:

-Einblick in die Psyche von Schachspielenden und Nichtschachspielenden:

Kann man mit einer nicht Schach spielenden Frau/Freundin glücklich werden?

Sollte man schon verheiratet sein, wie kann ich sie davon abbringen, mich auf ein Turnier zu begleiten?

Frauen und Schachprofis, eine gelungene Mischung?

Diesen und ähnlichen Fragen wird auf den Grund gegangen wobei der humoristische Schreibstil der Autorin nicht ganz unwesentlich zu einem mehr als vergnügten Lesespaß beiträgt. Oder wie wäre es mit Verhaltensregeln am Brett oder der Kunst, wie ein Schachprofi zu wirken?

Laut der Autorin erkennt man einen Profi und einen Anfänger recht schnell unter anderem an der Körpersprache, doch lauschen wir der Autorin einmal selbst: „Ebenfalls beliebt bei Anfängern ist die Sitzposition, bei der die Beine ständig übergeschlagen bleiben, während man sie mit den Händen umklammert. Damit wird Überlegenheit demonstriert, was den Gegner ebenfalls einschüchtern soll. Eine solche Sitzhaltung verrät, dass man es mit einem Schachanfänger zu tun hat, der als Mensch sehr stur und uneinsichtig ist. Ein derartiger Gegner wird nicht so schnell aufgeben und bis zum Schluss auf ein Wunder hoffen“. Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema Männerschach versus Frauenschach, hier versucht Vera Jürgens mit alten Vorurteilen aufzuräumen und gibt Ratschläge, wie man auch als Mann erfolgreich gegen eine Frau Schach spielen kann (!), wobei wir hier wieder beim Eingangs erwähnten Paradoxon landen. Der Autorin sei es verziehen, mit viel Humor und einem schelmischen Augenzwinkern wird so ziemlich alles, was mit Schach zu tun hat, durch den berühmt berüchtigten Kakao gezogen.

Eröffnungsvarianten, Partien oder zumindest Schachdiagramme sucht man hier vergebens, was man aber neben den auflockernden und humorvollen Karikaturen von Frank Stiefel findet, sind ebenso geistreiche wie unterhaltsame Geschichten und Texte über die Schachwelt und seine Bewohner. Weitere Themen im Buch befassen sich unter anderem mit: -Schachspielenden Maschinen, -Schach in der Literatur, -Ein Leben als Schachprofi und einigen Episoden aus der Schachkarriere der Autorin. Zur zentralen Frage des Buches, ob Schachspieler wirklich anders ticken, bringt Jürgens Argumente dafür und dagegen. Inwieweit man selbst schon als realitätsfremd wirkt auf andere, kann durch einen nicht ganz ernst gemeinten Test am Ende des Kapitels beantwortet werden.

Eine Leseprobe kann man hier finden: http://www.kaniaverlag.de/werbemappe/tickenleseprobe.pdf

Fazit: Ein Schachlesebuch der „anderen“ Art, humorvoll, geistreich, unterhaltsam! Für Schachspieler, deren Verwandte, Freunde, Kollegen und allen Menschen die mit Schachspielern zu tun haben, absolut lesens- und empfehlenswert! ;-)

 

Martin Rieger, Mai 2008 Freechess.info