Alexander Khalifman

1.Nf3 - Opening for White according to Kramnik – 2

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Sprache: Englisch

Verlag: Chess Stars

ISBN2: 978-954-8782-65-4

352 Seiten, kartoniert, 2. Auflage 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

In der Eröffnungsreihe “Opening for White according to Kramnik” wird ein komplettes Eröffnungsrepertoire für Weiß angeboten aufgrund der Weißpartien von Kramnik. Dieses Repertoire umfasst aber nicht nur ein Buch sondern derer gleich sieben!

Der vorliegende Band 2 befasst sich mit Nimzo- und Damenindischvarianten (1. Sf3 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Dc2 d5 / 1. Sf3 Sf6 2. c4 b6 3. g3 Lb7 4. Lg2 e6 5. 0-0 Le7 6. Sc3), der Igel-Aufstellung und dem Doppelfianchetto-System nach 1. Sf3 Sf6 2. c4 b6 3. g3 Lb7 4. Lg2 c5 5. 0-0 e6 6. Sc3, die symmetrischen Vierspringerspiele nach 1. Sf3 Sf6 2. c4 c5 3. Sc3 Sc6 4. g3 und den eher seltenen Varianten mit 1. Sf3 Sf6 2. c4 c5 3. Sc3 b6 bzw. 3. ...d5 und 1. Sf3 Sf6 2. c4 Sc6 3. d4 e6 4. a3.

Der 14. Schachweltmeister Alexander Khalifman und sein Team haben auch mit diesem Buch wieder eine wahre Fleißarbeit abgeliefert, genauere und tiefere Analysen wie hier wird man selten finden, überhaupt muss ich sagen, dass der Chess-Stars-Verlag hier so etwas wie eine Vorreiterrolle übernommen hat. Wer Eröffnungsvarianten a´la so gewinnt man mit …erwartet, sollte erst gar nicht zu diesem Buch greifen, leichte Kost gibt es wo anders, hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt! Die vorgeschlagenen Varianten und Systeme orientieren sich wie gesagt am Repertoire Kramniks und sind dementsprechend positionell ausgerichtet, soll heißen, wer ein tief durchdachtes und zukunftssicheres Weißrepertoire positioneller Natur sucht, wird hier auf alle Fälle fündig. Khalifman hat die oben genannten Systeme akribisch untersucht, geordnet und das Beste daraus extrahiert, er geht auch auf mögliche Eröffnungsfallen ein und verschafft so dem Leser auch die nötige Sicherheit im Umgang mit den Varianten.

Sehr gut gefallen haben mir die umfangreichen Erläuterungen zum Werdegang bestimmter Systeme und den aktuellen Forschungsstand in den Hauptvarianten, hier begreift man auch als Neueinsteiger in die betreffenden Systeme, wieso und warum gerade dieser Zug gespielt werden sollte. Einige Stichproben auf mögliche Fehler in den Analysen oder in den Bewertungen (aufgrund diverser Engines und vergleichender Fachliteratur sowie den neuesten Partien) haben nur bestätigt, was auch in bereits erschienenen Bänden dieser Reihe praktiziert wurde, nämlich eine selten gesehene Objektivität und Genauigkeit die an Analysen von Botwinnik, Kasparov und Hübner erinnern. Ein Beispiel: Ich habe eine umfangreich kommentierte Partie aus der Megabase mit den Analysen im Buch verglichen, dort, wo in der Datenbankpartie eine kurze Anmerkung zu einem interessanten, bisher noch nicht erprobten Zug steht, folgt im Buch eine 3-seitige Analyse zu den möglichen Konsequenzen dieses Zuges! Ehrlicherweise muss ich sagen, dass einem diese Systeme auch liegen müssen, ein feuriger Angriffsspieler wird sich wahrscheinlich etwas schwer damit tun.

In folgender Partie demonstriert Kramnik die Vorzüge seiner geliebten Aufstellung mit Weiß: Kramnik,V (2729) - Aronian,L (2756) [A30] Turin ol (Men) 37th Turin 2006 1.Sf3 Sf6 2.c4 b6 3.g3 c5 4.Lg2 Lb7 5.0-0 g6 6.d4 cxd4 7.Dxd4 Lg7 8.Sc3 d6 9.Td1 Sbd7 10.Le3 Tc8 11.Tac1 a6 12.b3 0-0 13.Dh4 Tc7 14.Lh3 Db8 15.Lg5 Lxf3 16.exf3 b5 17.Lxd7 Txd7 18.Sd5 Sxd5 19.cxd5 Tc7 20.Tc6 Txc6 21.dxc6 Tc8 22.Tc1 e6 23.Ld2 Dc7 24.a4 d5 25.axb5 axb5 26.Db4 Tb8 27.Da3 Ld4 28.Da6 Le5 29.f4 Ld6 30.La5 Dc8 31.Da7 Ta8 32.Db6 Tb8 33.Dd4 b4 34.c7 Ta8 35.Db6 Lf8 36.Lxb4 Lxb4 37.Dxb4 De8 1-0

Kritikpunkte haben ich eigentlich keine, außer das der Text und die Varianten manchmal etwas unübersichtlich wirken. Dafür bietet das Buch aber tolle Analysen, die besonders in höheren ELO-Kreisen und im Fernschachbereich sicherlich hohen Anklang finden werden! Selbstverständlich können auch Spieler mit einer Wertungszahl unter 2000 großen Nutzen aus diesem Buch ziehen, genügend Lernbereitschaft vorausgesetzt! Alles in allem ein sehr gutes Eröffnungsbuch.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2008