New in Chess Yearbook 87

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Sprache: Figurinen / Englisch

Verlag: New in Chess

ISBN2:978-90-5691-236-9

248 Seiten, kartoniert, 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Nimmt man das neue New in Chess Yearbook 87 in die Hand und wirft einen Blick auf die grobe Inhaltsangabe des Covers so ist man unweigerlich schon mitten drin in faszinierenden schachtheoretischen Abhandlungen die sich fast wie ein Krimi lesen.

Dutzende von Artikeln über die verschiedensten Eröffnungsvarianten, zusammen gestellt von Experten ihres jeweiligen Gebietes, informieren über Werdegang und neuesten theoretischen Erkenntnissen in dem betreffenden System. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf wichtige und interessante Neuerungen gelegt.

Der Inhalt des NIC ist derart umfangreich, dass ich hier nur auf ein paar ausgewählte Themen näher eingehen möchte:

Alexander Morosewitsch, bekannt für experimentierfreudiges und spektakuläres Schach, spielte letztes Jahr gegen Akopian eine geradezu surrealistische Partie im Nimzoinder, die sämtliche Schachregeln zu brechen schien, Moro stürmte mit seinem h-bauern nach vorne und lies seinen Königsflügel gänzlich unterentwickelt. Als er dann auch noch via Th1-h3 und Lh6 einen Angriff startete, wobei der Springer auf g1 und der Läufer auf f1 immer noch nicht gezogen hatten, sprach Kommentator GM Kuzmin von einem „Chagall-like primitivism“. Es spricht für die Genialität von Moro dass er die Partie trotzdem zum Sieg führte, absolut sehenswert! Paul Boersma nimmt das ganze Morosewitsche Konzept, beginnend mit 8.Dg3, genauer unter die Lupe und analysiert das gesamte Abspiel mit möglichen Abweichungen. Hier die Partie mit dem Eröffnungskonzept, dass auf den ersten Blick aussieht, als wäre es in einer Bierlaune entstanden, auf den zweiten Blick steckt aber mehr dahinter:

Morozevich,A (2755) - Akopian,V (2713) [E36] ETCC Crete 2007 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 d5 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 c5 7.dxc5 d4 8.Dg3 0-0 9.Lh6 Se8 10.h4 Sd7 11.h5 Dc7 12.Th3 f5 13.Dxc7 Sxc7 14.Lg5 e5 15.Le7 Te8 16.Ld6 Se6 17.Td1 Sexc5 18.f4 exf4 19.Sf3 d3 20.h6 g6 21.Sg5 Se4 22.Lxf4 dxe2 23.Lxe2 Sxg5 24.Lxg5 Sc5 25.Te3 Se4 26.Lf3 Kf7 27.Lh4 Le6 28.Td4 Tac8 29.b3 a5 30.Lxe4 fxe4 31.a4 Lf5 32.Td5 b6 33.Td6 Tb8 34.Kd2 Tb7 35.Kc3 Te6 36.Td8 g5 37.Lxg5 Tg6 38.Tg3 e3 39.Td5 Le6 40.Tf3+ 1-0

Ein anderes Kapitel im Buch beschäftigt sich mit einem Spieler, der in letzter Zeit wieder für positive Schlagzeilen sorgt. Schon seit Jahren in der absoluten Weltspitze, reichte es aber nie zum WM-Titel, immer wieder versagten die Nerven. Nach Meinung vieler Experten besitzt er ein größeres Schachverständnis als z.B. Kasparov, seine Spielstärke ist gewaltig und seine Eröffnungsvorbereitung legendär und auch gefürchtet, die Rede ist von Vasily Ivanchuk. Juan Morgado und Robert Alvarez analysieren in ihrem Kapitel „Ivanchuks Geburtstagsbombe“, gespielt beim Schnellschachturnier in Monaco 2008 gegen Jungstar Karjakin. Ivanchuk bereitete im Najdorfsizilianer im 14.Zug ein spektakuläres Damenopfer vor, dass von den heutigen Schachengines nur Rybka sofort findet.

Hier der Zug, der auch von Michail Tal hätte stammen können: Ivanchuk,V (2751) - Karjakin,S (2732) [B87] Amber Rapid 2008 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lc4 e6 7.Lb3 b5 8.Lg5 Le7 9.Df3 Dc7 10.e5 Lb7 11.exd6 Lxd6 12.De3 Lc5 13.0-0-0 Sc6 14.Dxe6+! fxe6 15.Sxe6 De5 16.Sxg7+ Kf8 17.Se6+ Kf7 18.The1 Dxe1 19.Sxc5+ Kg6 20.Txe1 Kxg5 21.Sxb7 Sd4 22.Sd6 Thf8 23.f3 b4 24.Sce4+ Sxe4 25.Txe4 Sxb3+ 26.axb3 a5 27.Tg4+ Kf6 28.Se4+ Ke5 29.Th4 a4 30.bxa4 Txa4 31.Sc5 Ta1+ 32.Kd2 Tg8 33.g3 Tf1 34.Ke2 Tb1 35.Txb4 Kd5 36.Se4 Kc6 37.h4 Th1 38.Tc4+ Kb6 39.b4 Td8 40.Tc5 Ta8 41.c3 Ta2+ 42.Ke3 Te1+ 43.Kf4 Tf1 44.Th5 Ta8 45.Th6+ Kb5 46.Sd6+ Ka4 47.Txh7 Kb3 48.Tc7 Td8 49.Sf5 1-0

Daneben gibt es das Forum, hier können die Leser selbst interessante Züge und Partien diskutieren und vorstellen. In „Sosonkos Corner“ wird Bobby Fischers Eröffnungsvorbereitung betrachtet und anhand einiger Beispiele genauer erläutert. Glenn Flear bespricht im Schlussteil noch einige Bücher und weist auf empfehlenswerte Neuerscheinungen hin. Fazit: Das neue New in Chess Yearbook 87 bietet umfangreiche Analysen zu aktuellen Trends in den verschiedensten Eröffnungen. Namhafte Experten untersuchen Neuerungen auf ihren tatsächlichen Wert und geben so aufschlussreiche Einblicke in großmeisterliche Denkweisen. Absolut empfehlenswert.

Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger, Juni 2008