Christoph Scheerer

The Greatest Ever Chess Opening Ideas

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Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN2:978-1-85744-561-9

368 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Baguio City, 8.August 1978: Im Weltmeisterschaftskampf zwischen Anatoli Karpov und Viktor Kortschnoi kommt es in der 10.Partie zu einer faustdicken Eröffnungsüberraschung des Weltmeisters, im offenen Spanier bringt Karpov im 11.Zug einen sensationellen Opferzug, der eine wichtige Neuerung darstellt und die gesamte Schachwelt gehörig verblüfft.

IM Christoph Scheerer präsentiert in seinem Buch die wichtigsten Eröffnungsideen der Schachgeschichte, angefangen von Captain Evans gefürchtetem b4-Gambit im Italiener über Keres aggressives g4 im Scheveninger bis hin zu Topalovs diabolischem 12.Sxf7 im Slawen. Jedes der 50 Kapitel wird durch eine Einführung in die betreffende Eröffnung eingeleitet, Scheerer gibt einen geschichtlichen Überblick über die Variante um den Leser die Bedeutung der gespielten Neuerung aufzuzeigen. Anhand der Stammpartie wird dann die Eröffnungsidee analysiert und besprochen, aktuelle Partien zu diesem Thema sollen dann den heutigen Stand der Theorie aufzeigen. Dazu hat der Autor ein internes Bewertungssystem benutzt um die Eröffnungsideen einzugliedern in ihre Bedeutsamkeit, verschiedene Kriterien wie Effektivität oder auch Seriosität sollen helfen, die Neuerungen anhand ihrer Gewichtung objektiv einzuteilen.

Die Idee des Buches, die wichtigsten Eröffnungsideen und Neuerungen der Schachgeschichte zu präsentieren, fand ich recht originell und unterhaltsam. Die Geschichten rund um spektakuläre Neuerungen (Kasparov-Gambit, WM 1985) und der Erfindung ganzer Systeme (Velimirovic-Angriff) lesen sich sehr kurzweilig und informieren nebenbei den Leser über die Entstehung von neuen Ideen in den Eröffnungen. Der Autor hat sich bei seinem Buch sehr viel Arbeit gemacht und zahlreiche Publikationen zu diesem Thema gesichtet, ähnlich seinem Erstlingswerk 1…Sc6! hat IM Scheerer seine Analysen mit großer Sorgfalt angefertigt. Über den Wert der einzelnen Eröffnungsideen lässt sich sicher vortrefflich diskutieren, welches ist die wichtigste theoretische Neuerung aller Zeiten? Welche Eröffnungsidee war nur ein One Hit Wonder und welche hat allen Prüfungen der Zeit standgehalten? Höchst interessante Fragen, die der Autor mit seinem Buch beantworten will.

Ein aussichtsreicher Kandidat für die beste Neuerung aller Zeiten dürfte folgender Zug sein: Keres,P - Bogoljubow,E [B81] Salzburg 1943 1.e4 c5 2.Se2 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.g4 N Der Keres-Angriff, der auch heute noch nichts von seiner Gefährlichkeit verloren hat. 6…Sc6 7.g5 Sxd4 8.Dxd4 Sd7 9.Le3 a6 10.Le2 Dc7 11.f4 b6 12.f5 Se5 13.fxe6 fxe6 14.a4 Le7 15.h4 Dc5 16.Dd2 Dc7 17.Tf1 Lb7 18.Ld4 Tf8 19.0-0-0 Txf1 20.Txf1 Ld8 21.Df4 Sg6 22.Dg4 De7 23.Dh5 e5 24.Le3 Lc7 25.Dxh7 Sf4 26.Lxf4 exf4 27.Lh5+ Kd7 28.Lg4+ Kc6 29.Df5 b5 30.Dd5+ Kb6 31.Dd4+ Kc6 32.Sd5 1-0

Fazit: Ein unterhaltsames Buch über die wichtigsten Eröffnungsneuerungen und ein Autor, der seine Arbeit noch ernst nimmt! Fundierte Analysen gepaart mit einem lockeren Schreibstil laden zu einem kurzweiligen Lesevergnügen ein, nebenbei spornt das Buch zu mehr Kreativität in der Eröffnungsphase an.

Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger, Juli 2008