Richard Palliser

d-pawn Attacks

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Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN-13: 978-1-85744-577-0

272 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Derzeit liefern sich diverse Titelträger spannende theoretische Auseinandersetzungen auf dem …nein, nicht auf dem Schachbrett sondern auf dem Buchmarkt! Kaum zu glauben aber der theoretische Disput kann auch noch weitere Autoren in ihren Bann ziehen und so kann sich förmlich eine theoretische Beratungspartie entwickeln die nicht auf dem Brett sondern auf dem Papier ausgetragen wird. Nutznießer des Ganzen, wenn man so will, ist der geneigte aufmerksame Leser, der hier das ganze Potpourri an verschiedenen Möglichkeiten miteinander vergleichen und analysieren kann um anschließend für sich selbst das Beste daraus zu extrahieren.

Vor einigen Tagen erschien im gleichen Verlag „Fighting the Anti-Kingsindians“ von Yelena Dembo, nun schlägt IM Palliser zurück und stellt mit seinem „d-pawn attacks“ einen Ratgeber für weiße Angriffsaufbauten a´la Colle-Zukertort/Barry-Attack/150 Attack vor. In diesem Buch geht es um genau diese drei Systeme, gefährlich, relativ untheoretisch und trickreich. Vergleichen wir einmal die verschiedenen Meinungen der Autoren: IM Andrew Martin gibt auf der Chessbase-DVD „Queen’s pawn openings“ eine Zugfolge an, mit der man den Colle-Aufbau sicher neutralisieren kann: 1.Sf3 c5 2.e3 Sf6 3.d4 e6 4.Ld3 d5 5.b3 Sc6 6.Lb2 Ld6 7.0-0 0-0 8.Sbd2 De7 9.Se5 Dc7! 10.Sxc6 bxc6 11.Sf3 cxd4 12.exd4 c5 13.dxc5 Lxc5 14.Le5 Ld6 15.Lxf6 gxf6 16.c4 dxc4 hier hat Schwarz wirklich nichts mehr zu befürchten und besitzt mindestens Ausgleich laut IM Martin, IM Palliser hingegen findet 17.Tc1 c3 18.De1 für Weiß zufrieden stellend und verweist auf die Falle18...Lb4?? 19.De4! mit Gewinn.

Wer hat nun Recht?

Alle Engines bewerten die Stellung nach 18…Lb7! (das erwähnt Palliser nicht mehr) 19.Txc3 Da5 für ausgeglichen/leicht besser für Schwarz, also Vorteil für Andrew Martin!

Ein anderes System: 1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sc3 d5 4.Lf4 Lg7 5.Dd2, gegen dieses System empfiehlt Yelena Dembo in ihrem „Fighting the Anti-Kingsindians“ 5… Se4 6.Sxe4 dxe4 7.Se5 Sd7 8.Sxd7 Dxd7! 9.e3 0-0 10.Dc3 c6 11.Le2 b6 12.0-0-0 c5 13.h4 Df5 14.g4 cxd4 15.Dxd4 Da5 mit Ausgleich (was auch die Engines so bewerten).

IM Palliser findet hier auch nichts Besseres für Weiß und somit endet der Vergleich wieder mit einer kleinen Niederlage für ihn. Gut empfand ich die ausführlichen Anmerkungen zu den einzelnen Systemen, angenehm die Partienauswahl und löblich den Versuch, die weißen Aufbauten zu rehabilitieren obwohl ich hier meine Zweifel habe. Ein weiteres (kleines) Manko aus meiner persönlichen Sicht ist die Tatsache, dass hier kein komplettes Repertoirebuch vorliegt, wenn ich Colle spiele, will ich auch etwas gegen zum Beispiel 1.d4 f5 an die Hand bekommen. Ansonsten ist das Buch natürlich vollkommen ausreichend für einen Einstieg in die betreffenden Systeme, für ein tieferes Eindringen in diese Eröffnungen empfiehlt sich weiterführende Literatur und/oder die oben angesprochenen Bücher/DVD´s als Vergleichsmaterial.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, September 2008