John L. Watson,

Gefährliche Waffen

Französisch

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Verlag: Everyman

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3-932336-15-7

336 Seiten, gebunden, 1. Auflage 2008, original erschienen 2006.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Dazzle your Opponents! (Blenden Sie Ihren Gegner!), dieser Untertitel zeigt, worin es in diesem Buch geht, um trickreiche, seltene und chancenreiche Varianten abseits des Mainstream. In der Reihe „Dangerous Weapons“ präsentiert John Watson diesmal die Französische Verteidigung. Sowohl für Weiß als auch für Schwarz werden interessante Systeme vorgestellt, die ihren Gegner in der nächsten Partie vor ziemliche Probleme stellen könnten. Bereits beim Lesen des Inhaltsverzeichnis erweckten viele Systeme meine Neugier. Watson gliedert sein Buch in zwei Teile auf, Systeme für Weiß und Systeme für Schwarz.

Einige Beispiele für trickreiche Systeme mit Weiß: 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Lb4 6.e5 h6 7.Le3 (Diese Variante wird den McCutcheon Anhängern Magenschmerzen bereiten). Oder wie wäre es, wenn Sie Ihren nächsten Gegner mit 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 c5 5.Dg4 konfrontieren? Unter dem Titel „A Beginner´s Move?“ geht der Autor der Frage nach, ob nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e5 Sfd7 6.Lxe7 Dxe7 der Zug 7.Dh5 dazu geeignet ist, ihren Gegner aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen.

Für Schwarz hat Watson natürlich auch eine Menge Interessantes anzubieten: So ist zum Beispiel 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3/Sd2 h6 durchaus spielbar, genauso wie das System 3.Sc3 Sc6 und sogar 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sg8 hat eine gewisse Daseinsberechtigung, zumindest bei Watson. Der Clou an diesem System ist, dass es auch durch die Zugfolge 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 Lf8 erreicht werden kann: Ein Beispiel für dieses widersinnig anmutende System: Rogulj,B (2425) - Zaja,I (2440) [C11] CRO-chT Medulin, 1997 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 Lf8 5.Sce2 c5 6.c3 Sc6 7.Sf3 f6 8.Sf4 g5 9.Sh5 g4 10.Sxf6+ Sxf6 11.Lg5 Le7 12.exf6 Lxf6 13.Lxf6 Dxf6 14.Se5 Sxe5 15.dxe5 Dxe5+ 16.Le2 Ld7 17.0-0 h5 18.Dd2 0-0-0 19.Tae1 Dd6 20.f4 gxf3 21.Lxf3 Lb5 22.Le2 Lc6 23.Tf6 Tdf8 24.Txf8+ Dxf8 25.Lf3 Dd6 26.Dg5 d4 27.Lxc6 bxc6 28.Dg6 Td8 29.Dxe6+ Dxe6 30.Txe6 Kc7 31.Kf1 Tb8 32.Te2 Kd6 33.c4 Tf8+ 34.Ke1 Tf5 35.Kd2 Tf1 36.Kd3 Td1+ 37.Ke4 Tf1 38.Kd3 Td1+ 39.Ke4 Tf1 40.b3 a5 41.Kd3 Tc1 42.Ke4 a4 43.Kf5 Tc3 44.h4 axb3 45.axb3 Te3 46.Tf2 Tg3 47.Te2 Tg4 48.Te6+ Kd7 49.Tf6 Txh4 50.Ke5 Kc7 51.b4 d3 52.bxc5 Txc4 53.Tf7+ Kb8 54.Td7 Txc5+ 55.Ke4 Td5 0-1

Wie man es von Watson gewohnt ist, schreibt er offen und ehrlich über Vorzüge aber auch gewissen Risiken bei bestimmten Varianten. Am Ende von jedem vorgestellten System findet man eine Zusammenfassung und eine allgemeine Bewertung über Risiken, Chancen und anderen Faktoren.

Leider wurde bei der Übersetzung in die deutsche Sprache ziemlich geschludert, viele Rechtschreibfehler, sinnentstellende Texte und eine etwas seltsam anmutende Transkription trüben das Bild doch erheblich. Viele Textpassagen sind arg holprig und scheinen einem Online-Übersetzungsprogramm zu entspringen, hier ein besonderes Beispiel für die Vergewaltigung der deutschen Sprache: „Die einzige Sache, die den angehenden 5…cxd4 Spieler stören könnte, ist die Vorsicht, mit der er die Verteidigung führen müssen wird“.

Ein anderes Beispiel: „Der Internationale Meister John Watson ist ein angesehener Autor. Zahlreiche Preise hat er bereits gewonnen. Seine Bücher werden von Lesern und Kritikern gleichermaßen gelobt“. Obwohl das Buch äußerlich (gebunden) einen hervorragenden Eindruck macht, kann ich diese deutsche Ausgabe nicht empfehlen und verweise auf die englische Originalausgabe, denn der Autor John Watson kann nichts dafür, dass sein (ansonsten sehr gutes) Buch, dermaßen verunstaltet wurde.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.