Planet Ivanchuk

 

 

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Der ukrainische Supergroßmeister Vassily Ivanchuk ist bekannt für sein unglaubliches Schachtalent das ihn dazu befähigt, tiefgründige, geniale und manchmal eben auch unglaubliche Schachpartien zu erschaffen. "Big Chucky", wie ihn seine Großmeisterkollegen liebevoll nennen, scheint während der Partien oft mit seinen Gedanken ganz woanders: minutenlanges starren ins Leere obwohl seine Uhr läuft um urplötzlich einen Zug aufs Brett zu zaubern der Gegner und Zuschauer gleichermaßen in Staunen versetzt.

 

Der ukrainische Supergroßmeister Vassily Ivanchuk ist bekannt für sein unglaubliches Schachtalent das ihn dazu befähigt, tiefgründige, geniale und manchmal eben auch unglaubliche Schachpartien zu erschaffen. "Big Chucky", wie ihn seine Großmeisterkollegen liebevoll nennen, scheint während der Partien oft mit seinen Gedanken ganz woanders: minutenlanges starren ins Leere obwohl seine Uhr läuft um urplötzlich einen Zug aufs Brett zu zaubern der Gegner und Zuschauer gleichermaßen in Staunen versetzt. Weltmeister Anand äußerte sich in einem Interview mit "The Indian Express" darüber folgendermaßen: "Die Spieler haben eine Bezeichnung für ihn. Sie sagen, er lebt auf dem Planet Ivanchuk. (Lacht) ... Ich habe ihn völlig betrunken ukrainische Reime singen sehen, und am nächsten Tag habe ich ihn eine beeindruckende Rede halten sehen" und weiter "er ist jemand, der sehr intelligent ist ... aber Du weißt nie, in welcher Stimmung er gerade ist. An einem Tag behandelt er Dich wie einen lange verlorenen Bruder – am anderen Tag ignoriert er Dich völlig". Für Ivanchuk gibt es nach eigener Aussage drei Arten von Schach: 1. Schach gegen normale Spieler, 2. Schach gegen Frauen und 3. Schach gegen Kasparov. Ausgerechnet gegen diesen Kasparov musste Ivanchuk beim Superturnier in Linares 1991 in der ersten Runde antreten.

1.e4

Angeblich reiste Ivanchuk verspätet an und kam erst gegen vier Uhr morgens in Linares an. Nach der Partie wurde eifrig an der Legende des völlig unvorbereiteten Ivanchuk gestrickt, der seinen großen Gegner Garri Kasparov mal so nebenbei an die Wand spielte. Laut Ivanchuk war es aber nicht ganz so einfach ( zitiert nach Andric, Schachreport 6/91): "Ich hatte ihn nie zuvor geschlagen;ich hatte drei Partien mit ihm verloren und nur ein Remis verbucht. Das ist es, warum ich mich auf diese Partie ziemich lange vorbereitet hatte, bevor ich nach Spanien kam. Das war, sozusagen, die Partie meines Lebens..."

1...c5 2.Sf3 d6 3.Lb5+

Eine Nebenvariante die gerne angewendet wird um den ausanalysierten Hauptvarianten aus dem Wege zu gehen. Ivanchuk meinte dazu nach der Partie: "Ich versuchte, ihm eine Stellung aufzuzwingen, die er zuhause nicht analysiert hatte. Es war gerade so, wie Karpov erklärt hatte: wenn Kasparov in eine Variante verwickelt wird, die er zuvor nicht in seinem Labor analysiert hat, spielt er zwei Klassen weniger überzeugend..."

3...Sd7 4.d4 Sgf6 5.0-0 cxd4 6.Dxd4 a6 7.Lxd7+ Lxd7 8.Lg5 h6?!

[Die normale Fortsetzung besteht in 8...e6 9.Sbd2 Lc6 mit beiderseitigen Chancen.]

9.Lxf6 gxf6 10.c4

[Damals war an dieser Stelle nur 10.Sc3 bekannt. 10...e6 11.Dd3 Le7 12.Sd4 Da5 13.a4 Tc8 14.Ta3 h5 15.Tb3 Tc7 mit Ausgleich in der Partie Fernandez Garcia,J-Csom,I/Malaga 1981 ]

10...e6 11.Sc3 Tc8 12.Kh1 h5 13.a4 h4 14.h3 Le7 15.b4 a5 16.b5 Dc7 17.Sd2 Dc5 18.Dd3 Tg8 19.Tae1 Dg5 20.Tg1 Df4?

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[Ivanchuk hält 20...b6!? 21.Tef1 21...Dc5 22.f4 Tg3 23.Tf3 Txf3 24.Dxf3 Dd4 für unklar.;

Stärker ist das überraschende 21.e5!! dxe5 (21...fxe5 22.Sce4 Df4 23.Sxd6+ Lxd6 24.Dxd6 f6 25.Td1+-) 22.Sde4 Df4 (22...Dg6 23.Td1 Td8 24.Sd6+ Kf8 25.Sb7 Dxd3 26.Txd3+-) 23.Td1 Td8 24.Se2 Dh6 (24...Df5 25.De3 Kf8 26.S2c3 Le8 27.Dxb6 Txd1 28.Txd1+-) 25.Sd6+ Kf8 26.Sb7 Kg7 27.Sxd8 Txd8 28.De4+-; 

20...Dc5! scheint die Stellung zu halten. Anscheinend muss die Dame auf der fünften Reihe ausharren um etwaige Bauernopfer (c5/e5) zu neutralisieren.

21.e5!? A) 21...dxe5 22.Dh7 Tf8 23.Sce4 Dd4 24.Sf3 Dxc4 25.Dxh4 f5 (25...Kd8 26.Td1 Tc7 27.b6 Tc6 28.Td2+-) 26.Sf6+ Lxf6 27.Dxf6+-; B) 21...f5 22.exd6 Dxd6 (22...Lxd6?? 23.Sce4+-) 23.Dxd6 Lxd6 24.Sd5 Le7 25.Sb6 Td8 26.Sb3 Lb4 27.Td1±; C) 21...fxe5! 22.Dh7 Tf8 23.Sce4 Dd4 24.c5 d5 25.Sf3 Dxa4 26.Sd6+ Lxd6 27.cxd6 Da3 28.Sxe5 Dxd6 29.Dxh4 Lxb5 30.Tc1 Lc6 31.Tge1 a4 32.Sg4 De7 33.Sf6+ Kd8 34.Dd4=]

21.Tef1

mit der Idee Se2 nebst f4.

21...b6

[21...f5!? 22.Se2 De5 23.f4 Dc5 und die Stellung ist relativ ausgeglichen. ]

22.Se2 Dh6 23.c5!

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Eine unangenehme Überraschung für Kasparov! Das spektakuläre Bauernopfer räumt das Feld c4 für den Springer frei und dieser erhält dort ein äußerst angenehmes Plätzchen...

23...Txc5

[Unbedingt nötig war an dieser Stelle 23...dxc5 24.Sc4 Tb8 (24...Td8 25.Sxb6 Lc8 26.Db1 Lb7 27.Sc4±) 25.f4 mit weisser Kompensation laut Ivanchuk;

Ganz schlecht ist 23...bxc5? wegen 24.Sc4!+- mit Angriff auf a5 und d6.]

24.Sc4 Kf8 25.Sxb6 Le8 26.f4 f5 27.exf5 Txf5 28.Tc1 Kg7 29.g4

[Ebenso war auch 29.Sc8! mit überwältigendem Vorteil für Weiss möglich. Doch auch der Textzug lässt am Ausgang der Partie keine Zweifel aufkommen.]

29...Tc5

[29...hxg3 30.Dxg3+ Kf6 31.Dc3++-]

30.Txc5 dxc5 31.Sc8 Lf8

Nichts geht mehr.

[Ebenso wenig hilft 31...Ld8 32.Tc1 Df6 33.Txc5 Da1+ 34.Kh2 De1 35.Dc3++-; oder auch 31...Kf8 32.Sxe7 Kxe7 33.Dc4 Kf8 34.Dxc5+ Kg7 35.g5+-]

32.Dd8 Dg6 33.f5 Dh6

Wahrscheinlich gab Kasparov die hoffnungslose Partie dewegen nicht verloren...weil ihm die Zeit dafür fehlte!

34.g5 Dh5 35.Tg4 exf5 36.Sf4 Dh8 37.Df6+ Kh7 38.Txh4+

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1-0

 

Martin Rieger, April 2009