Karsten Müller, Wolfgang Pajeken

Schachendspiele in der Praxis

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Sprache: Deutsch

Verlag: Gambit ISBN-10: 1-906454-04-3

ISBN-13: 978-1-906454-04-3

368 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Welche Zutaten benötigt man für ein gelungenes Endspielbuch?

Als erstes einen qualifizierten Schachverlag, der für Qualität und Seriosität steht.

Zweitens einen oder mehrere Autoren, die etwas vom Endspiel verstehen und dieses Wissen auch vermitteln können.

Drittens eine gelungene Themenauswahl, die den Leser motiviert und nebenbei noch hervorragend unterhält.

Treffen diese drei Komponenten zusammen ergibt dies ein Werk wie das vorliegende. "Schachendspiele in der Praxis", geschrieben von GM Karsten Müller und FM Wolfgang Pajeken, kommt so unverbraucht und selbstbewusst um die Ecke als wenn es das erste seiner Art wäre, dabei hat der internationale Schachbuchmarkt gewiss schon mehr als ein paar Dutzend Endspielbücher hervorgebracht.

Was unterscheidet das vorliegende von bereits erschienenen?

Bevor ich auf diese Frage näher eingehe, möchte ich kurz die beiden Autoren vorstellen. GM Karsten Müller ist einer der renommiertesten Endspielexperten weltweit, er hat zahlreiche Endspielpublikationen (unter anderem Fundamental Chess Endings - Gambit-Verlag 2001, diverse Endspiel-DVD´s - ChessBase) verfasst und so seinen Ruf weiter gefestigt. Müller spielt in der Bundesliga für den Hamburger SK und seine ELO-Zahl beträgt derzeit 2515. FM Wolfgang Pajeken spielt in der Bundesliga und seine aktuelle ELO-Zahl beträgt 2351.

Neben 200 Übungsaufgaben inklusive der Lösungen präsentieren die beiden Autoren ein breit gefächertes Bouquet an mannigfaltigen Endspielthemen, die erst bei genauerem Hinsehen ihre volle Blüte entfachen. Ähnlich eines guten Weines, der während seiner Reifung aus den einzelnen Aromen der verwendeten Trauben eine Gesamtheit bildet, so vereinen sich die verschiedenen Endspielthemen im Buch zu einem harmonischen Ganzen. Nach einem Vorwort von GM John Nunn und den beiden Autoren beginnt der Streifzug durch die wunderbare Welt der Endspiele, der bei der Königsaktivität seinen Anfang nimmt und in der Feststellung gipfelt, ein Endspiel ist kein Mittelspiel, soll heißen, erst im Endspiel kommt der König zu Ehren und kann selbst relativ ungefährdet ins Geschehen eingreifen.

Weitere Themen sind unter anderem Grundprinzipien und Methoden, Schematisches Denken, der Kampf um die Initiative, Prophylaxe und Verhinderung von Gegenspiel, das Läuferpaar, die Kunst der Verteidigung und typische Fehler. Dies ist aber nur ein Bruchteil dessen, was sich im Buch finden lässt, die Autoren haben es auch nicht versäumt, dem Leser zahlreiche Faustregeln für ein erfolgreiches Endspiel zu vermitteln.

Die 18 Kapitel des Buches behandeln verschiedenste Endspielstrategeme die in der Praxis am häufigsten vorkommen und so auch für den Leser von praktischem Wert sind. Müller und Pajeken haben den schwierigen und manchmal auch trockenen Inhalt mancher Endspiele frisch und unterhaltsam aufbereitet, Langeweile kommt nicht auf, ganz im Gegenteil! Viele Beispiele sind sehr gut ausgewählt worden, hochinteressante Stellungen wechseln sich ab mit verblüffenden Lösungen und lehrreichen Manövern.

Durch die gelungene Symbiose aus notwendigem Wissen und spannender Unterhaltung haben die beiden Autoren ein für den geneigten Leser äußerst praxisorientiertes und lehrreiches Endspielbuch verfasst. Manches im Buch ist für den fortgeschrittenen Spieler vielleicht bereits bekannt, anderes wiederum eher weniger, gerade deshalb gibt es bei der Einschätzung, für wen das Buch empfohlen werden kann, keine feste Richtlinie, meiner Meinung nach kann jeder Spieler sehr viel wertvolles Wissen aus diesem Buch extrahieren. Was bedeutet der Vorteil eines Läuferpaares im Endspiel? Wie gewinne ich gewonnene Bauernendspiele? Gibt es auch einen Minoritätsangriff im Endspiel? Warum verlier immer nur ich Endspiele, über die andere nur mitleidig den Kopf schütteln können?

Diese und ähnliche Fragen mag sich bestimmt schon so mancher gestellt haben nach einem verpatzten Endspiel, wohl wissend, dass die richtige Behandlung von diversen Endspielen keine Zauberei ist, sondern das Ergebnis von Erfahrung und Training. Man beschäftigt sich verständlicherweise lieber mit Kombinationen oder Eröffnungstheorie, Endspiele werden oft als langweilig und trocken empfunden. Umso erfreulicher, dass sich dieses Buch diesen Umstands durchaus bewusst ist und den Schwerpunkt auf lockere unterhaltsame Vermittlung von Endspielwissen legt.

Fazit: Lockere, unterhaltsame Endspiel-Lektionen von einem der führenden Experten auf diesem Gebiet erlauben neue Ansichten über Dinge, von denen wir glaubten, sie bereits zu kennen. Dieses Buch könnte schon bald ein moderner Klassiker werden!

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, 2009