Semko Semkov

Kill K.I.D. 1

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Sprache: Englisch

Verlag: Chess Stars

ISBN-13: 978-9-548782-70-8

140 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Wie sieht eigentlich Ihr Weißrepertoire gegen Königsindisch aus?

Entscheiden Sie impulsiv am Brett welcher Variante Sie heute Ihr Vertrauen schenken oder spielen Sie im Grunde halbgare Nebenvarianten nur um den Hauptabspielen aus dem Weg zu gehen?

Oder orientieren Sie sich an der Schachelite und ihren erfolgreichsten Abspielen + intensivem Eröffnungsstudium?

Bekanntlich hatte Wladimir Kramnik dem 2800-Königsindischgott aus Baku, Gary Kasparow, den Königsindischen Zahn mittels 9.b4 gezogen. Doch auch hier stellt die ausufernde Theorie den Schachfreund vor ein zeittechnisches Dilemma: entweder spiele ich die besten Varianten und opfere dafür sehr viel meiner Zeit oder aber ich spiele Nebenvarianten die objektiv gesehen Murks sind.

Die undemokratische Problemlösung würde darin bestehen, Fianchettofetischisten (besonders die mit einer Vorliebe für den Läufer auf g7!) künftig zu untersagen, Königsindische aufbauten zu praktizieren. Da dies nicht möglich ist, muss der Leidgeplagte 1.d4 Spieler auf andere Maßnahmen zurückgreifen. Doch auf welche?

In diesem Buch stellt Semko Semkov ein äußerst aggressives Weißrepertoire mittels des Vierbauernangriffs gegen Königsindisch vor und fordert seine Leser dazu auf, K.I.D. (Kingsindian Defence) zu „killen“. Das dazu benötigte Werkzeug besteht in der Zugfolge 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f4 c5 6.d5 0-0 7.Sf3 e6 8.Le2 exd5 9.cxd5 Te8 10.e5 dxe5 11.fxe5 Sg4 12.e6 fxe6 13.d6.

Anfangs äußerst skeptisch ob solcher hanebüchenen Verwicklungen musste ich mein Urteil nach und nach doch revidieren. Nachdem ich neuste Literatur zu diesem Thema gesichtet hatte und auch andere Quellen (Rybka3 Buch, Enzyklopädie, kommentierte Partien, CAP-Datenbank) kein nennenswertes Gegengewicht zu den Analysen Semkovs bilden konnten, mussten andere Geschütze her: Das Dreigestirn Rybka, Shredder und Fritz wurden auf die Analysen losgelassen um etwaige Ungenauigkeiten oder gar Fehler schonungslos offen zu legen.

Wie geprügelte Hunde kehrten die drei Engines zum Ausgangspunkt, sprich 13.d6, zurück, und bestätigten die Einschätzung des Autors: Schwarz hat in dieser „Killervariante“ wahrlich kein leichtes Leben! Semkov präsentiert in seinem Buch nicht nur Musterzugfolgen und Partien nebst dazugehörigen Analysen und Kommentaren sondern auch bisher unveröffentlichte Analysen die mich persönlich völlig überzeugt haben.

Erfreulicherweise hält er mit seinen Entdeckungen nicht hinterm Berg sondern teilt seine Erkenntnisse mit dem Leser. Richtig wertvoll wird dieses Buch aber dann für den Leser, wenn er merkt, wie einfach es in einer praktischen Partie ist, mit Semkovs Analysen Königsindisch zu zertrümmern!

Nachfolgend eine typische Computerzugfolge in der Schwarz laut der Programme immer gut mitspielt – bis plötzlich die Bewertung radikal umschwenkt, vorausgesetzt, man lässt den elektronischen Rechenknechten nur genügend Zeit:

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f4 c5 6.d5 0-0 7.Sf3 e6 8.Le2 exd5 9.cxd5 Te8 10.e5 dxe5 11.fxe5 Sg4 12.e6 fxe6 13.d6 Sc6 14.0-0 Sd4 15.Se4 Tf8 16.Lg5 Db6 17.Sfd2 Se5 18.Txf8+ Kxf8 19.Df1+ Sf7 20.Sc4 Dc6 21.Lf3 Db5 22.a4 Sxf3+ 23.Kh1+-

Fazit: Semkov hat viel Arbeit und Fleiß in sein Werk investiert, die Mühe hat sich aber ausgezahlt, herausgekommen ist dabei ein Theoriewerk höchster Güte.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2009