Herman Grooten

Chess Strategy for Club Players

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Sprache: Englisch

Verlag: New in Chess

ISBN-13: 978-90-5691-268-0

412 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Wie lerne ich positionelles Schach?

Durch Auswendiglernen von Meisterpartien, dem Lösen von Aufgaben oder durch das Studieren von kommentierten Partien?

Eine schwierige Frage die auch nicht so ohne weiteres beantwortet werden kann. Ein erster Anhaltspunkt für den lernbegierigen Schacheleven stellen Regeln dar, die große Meister der Vergangenheit aufgestellt haben.

Mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise formulierte zum Beispiel der erste Schachweltmeister der Geschichte, Wilhelm Steinitz, heute noch gültige strategisch-positionelle Grundsätze.

Zu den wichtigsten Faktoren, die eine Stellungseinschätzung erst erlauben, zählte Steinitz:

1. das Materialverhältnis

2. die Wirkungskraft der Figuren

3. die Wirkungskraft der Bauern

4. die Postierung der Bauern

5. die Königstellung

6. das Zusammenspiel aller Figuren

Auf seine neuartige Beurteilung einer Stellung begründete er folgende Prinzipien der Strategie:

1. Es herrscht aus der Grundstellung heraus ein Gleichgewicht der Kräfte.

2. Erst wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, ist ein scharfer Angriff gerechtfertigt bzw. taktische Schläge möglich.

3. Angriffe müssen gegen die schwachen Punkte des Gegners geführt werden.

4. Die Verteidigung muss so ökonomisch sein wie nur möglich.

Diese Grundsätze bilden das Fundament für unser heutiges Verständnis von Schachstrategie. Sie helfen uns, ähnlich wie bei einem Kompass, besser auf dem Schachbrett zu Recht zu kommen, den richtigen Weg zu finden. Sie unterstützen uns also bei dem Entscheidungsfindungsprozess, nehmen uns aber nicht die Arbeit ab, in einer jeweiligen Stellung den besten Zug zu finden.

Interessant in diesem Zusammenhang finde ich die Aussage von GM Eingorn in seinem Buch „Entscheidungsfindungen am Schachbrett“:

„Bisher ist es niemandem gelungen, Schach zu einer Wissenschaft zu machen, oder anders gesagt, eine Methode aufzuzeigen, wie man mit einem ausreichenden Grad an Exaktheit in einer beliebigen Stellung den besten Zug finden kann. Sollte dies wirklich geschehen, wird das Spiel an sich seinen Sinn verlieren. Die Anhänger der verschiedenen Systeme und Methoden sollten daran erinnert sein, dass solche intellektuellen Übungen - mehr als alles andere - die Denkweise ihrer Autoren zum Ausdruck bringen. Sie systematisieren nicht das Schach, sondern stellen in systematischer Form die Ansichten des Autors über das Spiel dar. Der Stil besteht aus dem Gesamtkomplet solcher Ansichten. Einerseits setzt der jeweilige Stil einem Spieler Grenzen, andererseits erlaubt er ihm, das zu tun, was er am liebsten tut und was er daher am besten kann. Es gibt keinen universellen Stil. [...]

IM Herman Grooten, Autor des vorliegenden Buches „Chess Strategy for Club Players“ gründet sein Trainingsprogramm auf den elementaren Regeln von Steinitz. Wie finde ich mich in jeder beliebigen Stellung gut zu Recht? Wie finde ich den richtigen Plan und wie setze ich diesen in der Praxis um? Daneben gibt es natürlich die positionellen Basics, ohne das Wissen um Bauernstrukturen, offene Linien, Königssicherheit usw. ist eine vernünftige Stellungsbeurteilung und die daraus resultierende Planfindung unmöglich.

Nach einem Vorwort von Jan Timman folgen 25 Kapitel mit, meiner Meinung nach, höchst interessanten und lehrreichen Lektionen zum Thema positionelle Faktoren-Stellungsbeurteilung-Planfindung. Diese Lektionen werden durch Tests aufgelockert in denen man sein Wissen überprüfen und schulen kann.

Ein Beispiel aus dem Buch in dem es um die Vorteile des Läufers gegenüber Springer geht. Umso schlimmer für die Springerpartei, wenn man sich in einem Endspiel befindet und der Gegner kein Geringerer als Anatoli Karpow ist:

Karpov,A (2725) - Polgar,Z (2530) Madrid, 1992

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In dieser Stellung ist der Läufer dem Springer deutlich überlegen. Der weiße Gewinnplan sieht folgendermaßen aus: Zentralisation des Königs, Angriff am Damenflügel mittels a4, Abschneiden des Springers vom Rest des Feldes, Eindringen in den Königsflügel, Bildung eines Freibauern am Königsflügel.

37.Kf3 der erste Schritt des Plans 37… Kf7 38.Ke4 Ke7 39.a4! Der zweite Schritt 39... Sa7 [39...bxa4 40.Lxa6±] 40.axb5 axb5 41.f4 Kd6 42.Ld3 [auch 42.f5! e5 43.g4 b4 44.h4 Sc8 45.g5 hxg5 46.hxg5 Sb6 47.Lb5 Sd5 48.Lc4 Sb6 49.f6! gxf6 50.g6! hätte elegant gewonnen.] 42...Kd7 43.Le2 Kd6 44.Lf1! Kd7 45.f5 Kd6 46.fxe6 Kxe6 47.Lh3+ Kd6 48.Kf5 g5 49.Kg6 Der dritte Schritt: Eindringen in den gegnerischen Königsflügel 49…Ke7 50.Kxh6 Kf6 51.Ld7!

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Nun ist der Springer vom Rest des Geschehens abgeschnitten. 51...Ke7 52.Lxb5! Sxb5 53.Kxg5 Kf7 54.Kh6! Sd4 55.g4 Sf3 56.h3 Kf6 57.b4 1-0

Die Beispiele im Buch sind exzellent gewählt und prägen sich in Verbindung mit den lehrreichen Kommentaren und den Übungsaufgaben sehr gut ein. Herman Grooten hat meiner Meinung nach ein tolles Trainingsbuch für Schachspieler geschrieben.

Zum besseren Verständnis der Lektionen sollte der Leser eine Mindestspielstärke von ca. 1500 ELO und gute Englischkenntnisse mitbringen. Ist beides vorhanden steht einem effizienten Schachtraining nichts mehr im Wege.

Empfehlenswert!

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2009