Richard Palliser, Colin McNab, James Vigus

The Pirc and Modern

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Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN-13: 978-1-85744-594-7

224 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

In diesem Buch aus der Reihe "Dangerous Weapons" haben sich die drei Autoren Richard Palliser, Colin McNab sowie James Vigus diesmal dem Thema Pirc und Modern verschrieben.

In 12 Kapiteln, die unterschiedlicher nicht sein können, werden seltene und trickreiche Varianten für beide Seiten vorgestellt und analysiert.

Die Themen lauten unter anderem:

-Castling into the Argentinean Attack (1 e4 d6 2 d4 Nf6 3 Nc3 g6 4 Be3 Bg7 5 Qd2 0-0 6 0-0-0),

-Castling into the 150 Attack (1 e4 d6 2 d4 Nf6 3 Nc3 g6 4 Be3 Bg7 5 Qd2 0-0 6 others).

In diesen beiden Kapiteln räumen die Autoren mit dem Vorurteil auf, dass eine schwarze Rochade auf den Königsflügel zu gefährlich sei. Am Beispiel von hochklassigen GM-Partien werden schwarze Gegenmaßnahmen aufgezeigt und analysiert.

Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit einer trickreichen Zugumstellung:

-Trumping a Tricky Transposition (1 e4 d6 2 d4 Nf6 3 f3 c5).

Nach der Zugfolge 1 e4 d6 2 d4 Nf6 3 f3 c5 wird fast jeder Weißspieler hier mit 4.d5 fortsetzen in der Hoffnung, eine normale Damenbauerneröffnung aufs Brett zu bekommen. Doch Schwarz kann hier sehr abenteuerlustig mit 4...e6 5.c4 b5!? fortsetzen. Der psychologische Effekt dürfte Enorm sein und auch die gezeigten Varianten lassen ein gewaltiges schwarzes Potential erkennen.

Aber auch Weiß kommt in dem Buch natürlich nicht zu kurz! Für ganz Wagemutige empfehlen die Autoren, mittels 1.e4 g6 2.h4!? (An Early Lunge) die Axt rauszuholen. Kann meiner Meinung nach schwerlich korrekt sein, ich würde aber gerne darauf verzichten, dies in einer praktischen Partie mit Schwarz zu testen. Also brandgefährlich und keinesfalls zu unterschätzen!

Eine etwas seriösere Bekämpfungsmethode für Weiß haben die Autoren mit der Zugfolge 1 e4 d6 2 d4 Nf6 3 Nc3 g6 4 Be2 Bg7 5 Be3 c6 6 Qd2 (Not the 150 Attack!) aus den Tiefen der Schachtheorie geborgen. Vermeintliche Rettungsanker lassen sich für Schwarz nur sehr schwer finden und unvorbereitet erleidet man höchstwahrscheinlich Schiffbruch.

Daneben gibt es noch weitere interessante Kapitel für beide Seiten. Der vorbildliche Variantenindex und das Spielerverzeichnis helfen beim schnellen Auffinden von Informationen. Kann ich mit den vorgeschlagenen Systemen am Brett wirklich Erfolg haben? Die Erfolgsaussichten sind auf jeden Fall gegeben! Die Varianten wurden geprüft und stellen eine ernstzunehmende Alternative zu den gängigen Varianten dar.

Abgesehen vom Überraschungseffekt beinhalten alle Systeme giftige Fallen und weichen vom üblichen Schemata ab, der Gegner ist also gezwungen, selbstständig zu denken. Für wen ist das Buch generell zu empfehlen? Für Spieler, die mit Pirc/Modern in der Praxis zu tun haben und die auch bereit sind, Neues zu wagen.

Fazit: Die "Dangerous Weapons" Reihe ist eine positive Bereicherung für den Schachbuchmarkt, ähnlich der SOS-Reihe. Die offizielle Schachtheorie wird entstaubt, in alle Einzelteile zerlegt und nach eigenem kreativem Gusto wieder zusammengefügt. Mag so mancher die Nase darüber rümpfen, korrekt oder zweifelhaft, Schach wird immer noch in den meisten Fällen am Brett gespielt und nicht in irgendeinem Engine-Labor. Ein Schachbuch von Praktiker für Praktiker.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Freechess.info