Manfred Herbold

Der Schachtherapeut

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Sprache: Deutsch

Verlag: Eigenverlag

170 Seiten, gebunden, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Durch Streifzüge durch das (Schach) Internet entdeckt man immer wieder etwas Neues, Interessantes und auch Skurriles.

Zu jedem erdenklichen Thema lässt sich etwas finden, in der harmlosen Form Schachberichte aus aller Welt, Spielerporträts und riesige Partiensammlungen. Expliziter wird es bei Schachphilatelie, diversen Schachkunstformen und Seiten, die sich ausufernd einer einzigen Eröffnungsvariante verschrieben haben.

Richtig gefährlich wird es, wenn Schach und Humor + Satire eine Symbiose bilden um das scheinbar ernste Brettspiel von der heiteren Seite zu betrachten. Gefährlich deshalb, weil zu einem feinen Humor ein gewisses Fingerspitzengefühl vonnöten ist und plumper, oberflächlicher Klamauk oft zum „Fremdschämen“ animiert. Ganz zu schweigen vom Ansehen der Schachspieler, oft gilt man als etwas schräg wenn man ernsthaft Schach betreibt. Kommen dann auch noch die kläglichen Versuche dazu, Schach als humorvollen Zeitvertreib darzustellen, entziehen sich diese armseligen Bemühungen gänzlich dem Verständnis von Nichtschachspielern.

Umso erbauender auf unser (Schach) Selbstbewusstsein wirken gelungene Versuche, Schach und Humor zu einem unterhaltsamen und niveauvollen Aspekt unseres gemeinsamen Hobbys zu formen.

Stellvertretend für diese Facette schachlicher Unterhaltung seien zum Beispiel die hervorragenden Seiten von Entwicklungsvorsprung.de, Der Schachneurotiker oder Der Schachtherapeut genannt.

Letztere wird betreut und gepflegt von Manfred Herbold, in Insiderkreisen nur der „Schachtherapeut“ betitelt. Herbold ist kein unbeschriebenes Turnierblatt (25 Jahre Turniererfahrung im In- und Ausland, höchste ELO: 2240), abseits des therapeutischen Schachbloggens hält der gelernte Realschullehrer Schachseminare und verfasst nebenbei Artikel für diverse Schachzeitschriften.

In seinem Schachblog „Der Schachtherapeut“ behandelt er Schachspieler und deren alltägliche Probleme mit sich selbst und dem Rest der Welt. Auf humorvolle Art und Weise deckt er regelmäßig unsere menschlichen Schwächen aber auch unerkannte Stärken auf und weist uns den richtigen Weg aus dem Schachpsychologischen Dilemma. Die gesammelten Werke dieser Schachpraxis findet man nun in gedruckter Form in Gestalt des zu besprechenden Werkes „Der Schachtherapeut“,“die Nachfolgebände 2 und 3 sind bereits in Planung und werden wohl nicht lange auf ihre Veröffentlichung warten müssen angesichts des regen Zulaufs auf die Seite.

Themen im Buch sind unter anderem Keine Angst vor Großmeistern!, Frauenschach, Kombinationssucht und Betrügerschach. Zusätzlich gaben sich 10 Gastautoren die Ehre und verfassten jeweils einen Artikel für das Buch (davon möchte ich besonders Karl Gross alias Der Schachneurotiker hervorheben! Sein „Die Weltrangliste und ich“ und „Mit Läuferpaaren spreche ich nicht“ ist für mich beste Unterhaltung auf höchstem Niveau).

Nachfolgend ein Auszug daraus:

Die Weltrangliste und ich

Nach fast 40 Jahren Schachpraxis ziehe ich schonungslos Bilanz: In der WELTRANGLISTE der FIDE rangiere ich auf Platz 24408, in der NATIONALEN Rangliste auf Platz 3166. "Da ist noch Luft nach oben" würde meine gutmütige Gattin schmunzelnd hinzufügen, wenn ich ihr dies gestünde. Stattdessen lasse ich sie in dem Glauben, dass ich eine (lokale)Schachgröße bin, für die es sich lohnt, sonntags zum Mannschaftskampf frühmorgens Stullen zu schmieren, die Thermoskanne mit Kaffee zu füllen und im Cockpit des PKW eine kleine "Ritter Sport Nuss" als Überraschung zu hinterlegen. Alldieweil laufe ich herum, suche "meinen Kugelschreiber", "meinen Rucksack", "mein Lieblingshemd" und verspüre alsbald das altvertraute Gegrummel und Gezerre im Magen, das schon so lange meine Vorbereitungen begleitet. Fast hätte ich's vergessen: Die richtige(!)Musik für die Fahrt... Meine Gattin wirkt erleichtert, wenn ich endlich "Alles beisammen" habe und um die Ecke biege... Nachdem ich meine Lieblings-CD von Benny Golson eingelegt habe und auch die Sonntagsmorgensonne freundlich durchs Fenster schimmert, fühle ich mich allmählich wohltuend gestärkt, auf dem Beifahrersitz der rot-weiß-karierte Rucksack (Kaffee,Brote,Dextro-Energen,Toilettenpapier,Mineralwasser), vor mir die Aussicht auf die Niederrheinische Landschaft und auf einen Gegner, der mit seiner bescheidenen DWZ von 1830 wohl einen schweren Tag haben wird. Der Kampf beginnt pünktlich um 10 Uhr. Ich nehme am 4.Brett Platz., begrüße freundlich meinen Gegner mit dem Satz, den ich mir nicht abgewöhnen kann:" Möge der Schlechtere gewinnen!" und lächele . Dieser verzieht keine Miene, sondern eröffnet mit 1.f4.

Wie die Geschichte weitergeht wird hier nicht verraten!

Quelle: http://schachneurotiker.blogg.de

Natürlich sind auch alle anderen Beiträge ähnlich gestrickt und höchst amüsant, mir persönlich hat eben dieser Beitrag am Besten gefallen, den Rest der Geschichte findet man im Buch. Die Geschmäcker sind Gott sei´s gelobt verschieden und so bedient das therapeutische Schachbuch jegliche Couleur schachhumoristischer Ansprüche.

Mein persönlicher Eindruck des Buches:

Beste Unterhaltung zum Thema wundersame Schachwelt und deren noch wundersamere Bewohner. Lockere, humorvolle Sichtweise von den alltäglichen Dingen, die uns Schachspieler bewegen. Uneingeschränkt zu empfehlen! Bei Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Fritz oder Schachtrainer.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Freechess.info