Yury Lapshun, Nick Conticello

7 Ways to Smash the Sicilian

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Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN-13: 978-1-85744-595-4

190 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Kennen Sie Alvis Vitolinsh oder Dragoljub Velimirovic? Nein? Dann empfehle ich Ihnen einen Blick in die Datenbank um nach deren Partien zu suchen. Beide waren, bzw. sind großartige Angriffsspieler jenseits aller schachlichen Konventionen. Der lettische internationale Meister Vitolinsh zum Beispiel hat die Sizilianische Eröffnung mit vielen phantastischen Ideen bereichert und stets war irgendein Figurenopfer mit im Spiel wie in der folgenden Partie aus dem Buch:

Vitolinsh,Alvis - Anetbaev,Berik [B99] Riga, 1975 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Le7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 Sbd7 10.Dg3 b5 11.Lxb5 axb5 12.Sdxb5 Db8 13.e5 dxe5 14.fxe5 Sxe5 15.The1 Sc4 16.Dc7 Sd5 17.Txd5 0-0 18.Lxe7 1-0

Nach dem serbischen Großmeister Velimirovic ist sogar eine berühmte Angriffsvariante im Sizilianer benannt, der Velimirovic-Angriff. Wehe den, der sich mit Schwarz gegen Dragoljub darauf einlässt!

Dragoljub Velimirovic - Jovan Sofrevski [B89] YUG-ch Titograd (7), 1965 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e6 5.Sc3 d6 6.Le3 Sf6 7.Lc4 Le7 8.De2 a6 9.0-0-0 Dc7 10.Lb3 Sa5 11.g4 b5 12.g5 Sxb3+ 13.axb3 Sd7 14.Sf5 exf5 15.Sd5 Dd8 16.exf5 0-0 17.f6 gxf6 18.Ld4 Se5 19.gxf6 Lxf6 20.Thg1+ Lg7 21.Lxe5 dxe5 22.Dxe5 f6 23.Se7+ Kf7 24.Dh5+ 1-0

Aber was, um Himmels Willen, hat das mit diesem Buch denn nun zu tun? Vitolinsh und Velimirovic sind nur zwei Beispiele von vielen aus dem mir vorliegenden Buch. In insgesamt 109 Partien werden verschiedene Wege aufgezeigt, um gegen Sizilianisch zu opfern. Dem Buchtitel nach zu urteilen, werden „7 Ways to Smash the Sicilian“ dargeboten, selbstverständlich ist das natürlich hoffnungslos übertrieben denn niemand kann nur durch das Studium von ausgewählten Opferpartien gegen Sizilianisch gewinnen.

Die Autoren Yury Lapshun und Nick Conticello haben die 109 Partien nach thematischen Gesichtspunkten geordnet, Springeropfer auf b5, d5, e6, f5, Läuferopfer auf e6, b5 und verschiedene Figurenopfer auf diversen kritischen Feldern. Die verschiedenen Kapitel werden durch eine, meiner Meinung nach, etwas kurze und dürftige Einleitung eröffnet. Hier hätte man noch besser auf bestimmte Merkmale eingehen können, in welchen Konstellationen ist ein Opfer auf d5 zum Beispiel gerechtfertigt und wann nicht? Welches sind die typischen Voraussetzungen für eine derart brachiale Gewaltlösung?

Im Anschluss daran folgen ausgewählte kommentierte Opferpartien gegen Sizilianisch mit den „üblichen Verdächtigen“ b5, d5, e6 und f5. Zur Beurteilung des Buches: Auf der einen Seite finde ich die Partien im Buch sehr unterhaltsam und teilweise auch sehr lehrreich, auf der anderen Seite ist es aber nicht, wie es das Buch verspricht, eine Anleitung um Sizilianisch „zu zerstören“.

Im Grunde genommen bietet das Buch nur eine Partiensammlung die nach Figurenopfer gegen Sizilianisch geordnet ist. Mit einem Schachdatenbankprogramm und einer guten Partiensammlung lässt sich solch eine thematische Auswahl in wenigen Sekunden bewerkstelligen. Ein weiterer Kritikpunkt richtet sich an die Tatsache, dass der überwiegende Teil des Buches die Najdorfvariante mit 6.Lg5 behandelt (insgesamt 44 Partien wenn ich mich nicht verzählt habe). Die Drachenvariante ist mit nur zwei Partien vertreten, den Rest teilen sich die Sveshnikov-Variante und der englische Angriff gegen Scheveninger.

Daher wäre ein Titel wie „So können Sie gegen die Najdorf-Variante opfern und vielleicht mit etwas Glück gewinnen“ zwar weniger erfolgreich dafür aber ehrlich gewesen. Positiv vermerken möchte ich die gute Kommentierung der Partien, den ausführlichen Varianten- und Partienindex. Außerdem, wenn man von den oben genannten Punkten einmal absieht, eignet sich das Buch sehr gut als Ideengeber und Inspiration für die nächste Sizilianischpartie.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger