Simon Williams

The New Sicilian Dragon

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Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN-13: 978-1-85744-615-9

192 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Über den Autor: Der englische GM Simon Williams (Jahrgang 1979, ELO 2527) pflegt einen dynamischen Angriffsstil und hat bereits in der Vergangenheit einige Bücher (unter anderem How to crush your chess opponents und Improve Your Attacking Chess) verfasst, die von den Kritikern überwiegend positiv beurteilt wurden.

Diesmal befasst er sich mit einem Eröffnungssystem, das Kenner unter dem Namen „Dragadorf“ kennen, hierbei handelt es sich um eine sizilianische Variante die Najdorf und den Drachen miteinander kombiniert (g6,Lg7,a6).

Simon Williams will nach Aussage des Rückentextes ein Repertoire für Schwarz vorlegen, das ideal für Drachenspieler ist und „dem Weißen soviel Probleme wie möglich bereitet“. Nun, wenn dann noch Sätze wie „a totally fresh look at this famous opening“ kommen, ahne ich bereits, was da auf mich zukommt.

Aber man soll keine Vorurteile hegen und jedem Buch eine Chance geben!

Also, schauen wir mal rein ins Buch und machen uns vertraut mit dieser „Wunderwaffe“:

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 a6

Damit ist die Grundstellung erreicht. Macht man sich mit der Materie näher vertraut, stellt man schnell fest, dass die folgende Variante eine der gefährlichsten für Schwarz ist:

8.Dd2 Sbd7 9.Lc4 b5 10.Lb3 Lb7 11.Lh6 Lxh6 12.Dxh6 Sc5 13.0-0-0 e5 14.Sde2 Sxb3+ 15.axb3 b4 16.Sa4 Dc7 17.Td2 d5 18.Dg5 De7 19.Sb6

(19.exd5 Sxd5?! (h6 ist ein Vorschlag des Autors und möglicherweise eine Verbesserung) 20.Dxe7+ Kxe7 21.Sc5 Lc6 22.Te1 Weiß steht besser Kf8 23.Sd7+ Kg7 24.Sxe5 Lb7 25.Sc4 a5 26.Sd6 Lc6 27.Sd4 Ld7 28.Te5 Sb6 29.Te7 Thf8 30.Sc4 Sxc4 31.bxc4 Lc8 32.b3 a4 33.Kb2 axb3 34.cxb3 Td8 35.Tee2 Lf5 36.Sxf5+ gxf5 37.Txd8 Txd8 38.f4 Kg6 39.Kc2 Kh5 40.Te7 Kg4 41.Txf7 h5 42.Tb7 Kxf4 43.Txb4 Ke3 44.Tb5 f4 45.Tg5 h4 46.h3 Ke4 47.b4 1-0 Timman,J-Shanava,K/Baku 2008)

19...Td8 20.Thd1 h6 21.Dg3 Sh5 22.Df2 d4 23.Sc4 0-0 24.g4 Sg7 25.f4 exf4 26.Sxf4 Dg5 27.e5 Se6 28.Sd3 a5 29.Dg3 Ta8 30.h4 De7 31.Sb6 Ta6 32.Sa4 Tc8 33.Kb1 Le4 34.Sf2 Ld5 35.Sd3 Tac6 36.Sf4 Le4 37.Tc1 Dd7 38.h5 g5 39.Sd3 Dd5 40.Te1 Lh7 41.Tc1 Sf4 42.Sac5 Txc5 43.Sxc5 Txc5 44.Ka1 d3 45.De3 a4 46.bxa4 b3 0-1 Koepke,C (2296) - Shanava,K (2519) EU-ch 9th Plovdiv (3), 23.04.2008

Durch den Vorschlag 19…h6 in der Timman-Partie könnte Schwarz vollwertiges Spiel erreichen, damit ist die Sache für den Autor abgehakt. Unverständlicherweise hat Williams aber eine theoretisch wichtige Partie völlig unter den Tisch fallen lassen, die das Ganze mehr als zweifelhaft erscheinen lässt. Die Rede ist von der Partie Huschenbeth, N-Shanava,K/Pardubice 2008: 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 a6 8.Dd2 Sbd7 9.Lc4 b5 10.Lb3 Lb7 11.Lh6 Lxh6 12.Dxh6 Sc5 13.0-0-0 e5 14.Sde2 Sxb3+ 15.axb3 b4 16.Sa4 Dc7 17.Sg3 die Abweichung von der Timman-Partie, in der es mit 17.Td2 weiterging. 17…Ke7 (17...d5 18.exd5 Sxd5 19.Se4 0-0-0 20.Sec5±) 18.Sf1 (18.Thf1!?ein Vorschlag von Rybka, der wie übrigens alle Engines die weiße Stellung eindeutig bevorzugt.) 18...Lc8 19.Se3 Le6 20.Kb1 Tac8 21.Td2 Da5 22.Thd1 Tc6 23.Dh4 h6 24.f4+- Tcc8 25.Txd6 exf4 26.Td7+ Lxd7 27.Sd5+ Dxd5 28.exd5 g5 29.De1+ Kf8 30.Sb6 Tb8 31.Dxb4+ Kg7 32.Dd4 Lf5 33.Te1 The8 34.Txe8 Txe8 35.d6 Te4 36.Dd2 Te8 37.Sd5 Sxd5 38.Dxd5 Kg6 39.Ka2 Tb8 40.c4 h5 41.c5 Tb5 42.Dd2 Ld7 43.c6 Lxc6 44.Dc2+ 1-0

Was soll man dazu sagen? An ein Versehen mag ich nicht so recht glauben, eher drängt sich mir der Verdacht auf, dass die obige Variante/Partie nicht so recht ins Konzept passte.

In der Variante 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 a6 8.Lc4 b5 9.Lb3 Lb7 10.Dd2 Sbd7 11.0-0-0

(11.Lh6!? Lxh6 12.Dxh6 Sc5 13.0-0-0 Sxb3+ 14.Sxb3 Dc7 15.Kb1 auch dieser Zug findet seltsamerweise keine Erwähnung im Buch. 15…Tc8 16.Td2 b4 17.Sd5 Lxd5 18.exd5 Dc4 19.Te1 Tg8 20.Ka1 Tc7 21.Td4 Db5 22.Df4 Kd7 23.Txb4 Dxd5 24.Td4 Dc6 25.Sa5 Dc5 26.Sc4 d5 27.Se5+ Kc8 28.c4! g5 29.Dd2 e6 30.cxd5 Sxd5 31.Tc4 De7 32.Txc7+ Sxc7 33.Sc6 Df6 34.Dd6+- Te8 35.Tc1 Df4 36.Sa7+ Kb8 37.Db6+ Ka8 38.Txc7 1-0 Real de Azua,E-Scarella,E/Villa Ballester 2008. Die andere Alternative 11.a4 bxa4 (11...b4?! 12.Sd5 a5 13.Lh6 '±' laut ECO) 12.Sxa4 Dc7 13.0-0 0-0 14.c4 Tfd8 15.La2 Sc5 16.Sc3 Weiß steht leicht besser, Ostojic,P-Ivanovic,B/YUG/1972/1:0/41, wird ebenfalls nicht erwähnt.)

schlägt der Autor einen relativ neuen Zug für Schwarz vor, nämlich 11...h6. Dazu bringt er eine Partie, die Schwarz natürlich gewann und alles ist gut! Von wegen! Es ist schon ersichtlich, dass die kritischen Abspiele Weiß im Vorteil sehen und deswegen schlägt der Autor auch 11…h6 vor, in der Hoffnung, seine Leser lassen sich damit in Sicherheit wiegen. In der Analyse zu der 11…h6 Partie analysiert der Autor zwar zwei Alternativen zu dem gespielten 12.Kb1 (Sd5 und The1) geht aber mit keiner Silbe auf den wohl gefährlichsten Zug 12.g4 (Junior, Rybka) ein.

Abgesehen davon, dass in diesem Buch wichtige Partien fehlen und Züge wie 11…h6 nicht genauer untersucht wurden, überwiegt das Gefühl, dass der Autor sehr subjektiv über diese Eröffnung geschrieben hat. Das Buch ist als Repertoirebuch konzipiert worden, deshalb erwarte ich als Käufer schon eine gewisse Sicherheit wenn ich dieses System anwende.

Diese Sicherheit kann ich aber nicht haben wenn ich bei einem Blick in die Datenbank entsetzt feststelle, dass essentielle Zugfolgen nicht behandelt wurden. Deshalb rate ich allen, die dieses sicherlich hochinteressante Eröffnungssystem spielen wollen, auf bessere Publikationen zu warten.

Insgesamt enttäuschend.

1 von 6 möglichen Punkten

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Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger