Lars Bo Hansen

Improve Your Chess - by Learning from the Champions

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Sprache: Englisch

Verlag: Gambit

ISBN-13: 978-1-906454-12-8

192 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Wieso sollte man sich näher mit der Geschichte des Schachs befassen? Welche Entwicklungsstadien durchlief das Königliche Spiel im Laufe der Jahrhunderte und wie beeinflusste es dadurch ganze Generationen von Spielern?

Um diese Fragen zu beantworten muss man sich eigentlich nur in Erinnerung rufen, wie man selbst das Schachspiel erlernt hat.

Begann man damals sofort mit aktuellen scharfen Theorievarianten oder komplexen strategischen/taktischen Aufgaben? Sicher nicht!

Am Anfang standen die einzelnen Figuren, ihre Gangart und ihre Eigenarten, das Brett mit den 64 Feldern und das einfache Mattsetzen. Die nähere Beschäftigung mit der Geschichte des Schachs macht den Entwicklungsprozess vom Einfachen zum Schwierigen nachvollziehbar. Die Grundgedanken, die heute zum selbstverständlichen Rüstzeug eines jeden Großmeisters gehören, entfalten in den Partien der alten Meister ihren wahren Kern, sie werden sicht- und nachvollziehbar, bei heutigen GM-Partien sind diese Ideen und Pläne meist versteckt in tiefen Analysen da die heutige Technik so ausgefeilt und präzisiert worden ist.

GM Lars Bo Hansen versucht in seinem Buch „Improve your Chess“ die Evolution der Schachtechnik nachzuzeichnen, anhand von zahlreichen Beispielen stellt er sieben Entwicklungsstadien des Schachs vor, die da lauten:

1.The Romantic Era, 2.The Scientific Era, 3.The Hypermodern Era, 4. New Dynamism, 5. The Age of Universality, 6. Creative Concreteness, 7. Chess in the Future - The Era of Transformation.

Wo es in der romantischen Ära noch Schachbürgerpflicht war, jedes Opfer anzunehmen und natürlich auch selbst zu opfern stellte Steinitz in der nachfolgenden Ära das Schach auf eine mathematisch-wissenschaftliche Stufe. Anhand seiner Grundsätze und Regeln, die bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben, zwängte er das Schach in ein Korsett von festgelegten Dogmen die von den Hypermodernen wie zum Beispiel Reti und Nimzowitsch erweitert und verfeinert wurden.

Der nächste Abschnitt in der Entwicklung des Schachs wurde von Spielern wie Tal, Bronstein und Keres eingeläutet, dynamisches Spiel mit beiden Farben, bizarr anmutende Manöver und ultra-aggressive Angriffe kennzeichneten diese Spielweise, die schon sehr bald und sehr abrupt durch eine universelle Spielauffassung abgelöst wurde. Boris Spassky und Bobby Fischer, die Protagonisten des WM-Kampfes von 1972, waren Vertreter der universellen Schule, dort wo ein Michail Tal der geniale Angriffsspieler und Tigran Petrosjan der vorausschauende Verteidigungskünstler war, konnten diese beiden in allen Bereichen des Spiels absolute Höchstleistungen vollbringen.

Das Zeitalter der kreativen, konkreten Spielweise begann mit dem Aufstieg Kasparovs und seinen Duellen mit Karpov, präzise Berechnungen gepaart mit unglaublichem Erfindungsreichtum in allen Belangen des Schachs. Die Eröffnungstheorie ist in den letzten Jahren förmlich explodiert und dank der Computertechnologie ist der Zugriff auf riesige Partiedatenbanken heutzutage ein Kinderspiel. Riesige Endspieldatenbanken vermitteln wenigstens einen kleinen Eindruck davon, wie absolut perfektes Schach aussehen kann und auch im Mittelspiel werden taktische wie strategische Manöver immer weiter verfeinert.

Die Zukunft des Schachs lässt nach Meinung des Autors auch nicht mehr lange auf sich warten, Transformation heißt das Zauberwort und dies wird bereits von einigen jungen Vertretern bereits überaus erfolgreich praktiziert (Carlsen und Karjakin).

Anhand zahlreicher Partiebeispiele und vielen Erläuterungen geht der Autor mit seinen Lesern den Weg von den Anfängen des Schachs bis zum heutigen Tag und lässt dabei vor dem geistigen Auge die ständige Entwicklung Revue passieren. Das geschieht so unverkrampft und unterhaltsam ohne oberlehrerhaft zu wirken, dass die Lektüre des Buches zu einem kurzweiligen und äußerst erfreulichem Vergnügen wird. Nebenbei erfährt man viel Wissenswertes über die jeweiligen Epochen, kommt in den Genuss unvergessener Glanzpartien und wird einfach sehr gut unterhalten. Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es jedem nur empfehlen.

6 von 6 Punkten.

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Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger