New in Chess Yearbook 92

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Sprache: Figurinen / Englisch

Verlag: New in Chess

ISBN-13: 978-90-5691-265-9

247 Seiten, kartoniert, 2009.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Gleich zu allererst eine Frage an Sie, liebe Leser: Wem würden Sie mehr vertrauen, wenn es um eine Eröffnungsempfehlung geht, einem starken Großmeister oder eher dem stärksten Schachcomputerprogramm Rybka?

Wahrscheinlich würde man in den meisten Fällen dem Urteil des Programms mehr vertrauen schenken, außerdem hat ja nicht jeder auf die Schnelle einen Großmeister zur Hand.

Natürlich sieht und weiß ein heutiges Spitzenprogramm sehr viel aber manchmal kann es der Mensch eben doch noch etwas besser! Wie GM Volokitin in seinem Kapitel über das Evans-Gambit im neuen New in Chess berichtet, bereitete er sich mit Hilfe von Rybka auf eine anstehende Partie vor und sah sich die Empfehlung des Programms genauer an. Konkret ging es ihm um die Variante 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lb4 5.c3 Ld6 mit Schwarz, genau diese Variante empfiehlt das Rybkabuch. Volokitin beschloss, diese Variante anzuwenden und …gewann! Der Sieg war aber nicht auf den Zug 5…Ld6 zurückzuführen sondern auf ein Versehen des Gegners, Weiß hätte mit einfachen Mitteln in der Eröffnung großen Vorteil erreichen können. Volokitin analysierte anschließend seine Partie und kam zu dem Ergebnis, dass der Zug 5…Ld6 zwar spielbar sei, es aber für Schwarz bessere Methoden (5…La5) gibt, zudem Weiß wie gesagt schon in der Eröffnung Vorteil hätte erreichen können. Petrosian,T (2623) - Volokitin,A (2671) [C51] 10th EICC Budva MNE (6), 11.03.2009 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Ld6 6.d4 Sf6 7.0-0 0-0 8.Te1 h6 9.Sbd2 Te8 10.Db3 Te7 11.Sh4? [hier wäre 11.Ld3! besser gewesen mit der möglichen Folge 11…b6 12.Sc4 La6 13.Sxd6 Lxd3 14.Sf5 und Weiß steht besser (die Drohung Lxh6 schwebt unangenehm über der schwarzen Stellung] Nach dem Fehler 11.Sh4? konnte Volokitin die Partie letztendlich nach langem Kampf für sich entscheiden.

Andere Kapitel im Buch beschäftigen sich zum Beispiel mit der ewig aktuellen Najdorfvariante mittels 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Db6 8.Dd2 Dxb2 9.Tb1 Da3 10.e5 h6 11.Lh4 dxe5 12.fxe5 Sd5 13.Sxd5 exd5. Nach letztem Stand dürfte hier nur 14.Lc4 zu einem inhaltsreichen Spiel führen, 14.e6 sieht nach 14…Dxa2 wenig viel versprechend aus.

GM Peter Heine Nielsen und GM Boris Avrukh liefern sich einen theoretischen Zweikampf über die Katalanische Eröffnung und GM Lev Gutman ist diesmal mit gleich zwei Übersichten vertreten: Max-Lange und Fajarowicz sind zwei Gambits, die bei Nichtkenntnis übelstes Schleudertrauma verursachen, Gutman bringt Licht ins Dunkel und zeigt die wichtigsten Abspiele und Ideen.

Insgesamt sind diesmal 33 Eröffnungsartikel enthalten, verfasst von den absoluten Top- Experten. Daneben gibt es zahlreiche ständige Rubriken wie die Leserbriefe mit vielen interessanten Analysen, Sosonkos Corner und die Buchbesprechungen von GM Glenn Flear. Das New in Chess 92 bietet also wieder zahlreiche theoretische Abhandlungen und wichtige Analysen zu vielen verschiedenen Eröffnungen, anhand der reichhaltigen Fülle an Material möchte ich auch das Preis-Leistungsverhältnis als gelungen bezeichnen.

Fazit: Hervorragende Eröffnungsanalysen! Kurzweilig, informativ und äußerst interessant.

6 von 6 Punkten.

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Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger